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Channel: Interviews | Source: Black magazine | Published: Jan 1, 1996

DIE FORM / L'âme électrique (German)
by Thomas Wacker

EROTIK, SEX und SADOMASOCHISMUS werden bei DIE FORM (Philippe Fichot und Elaine P.) schon seit einigen Jahren groß geschrieben und sowohl musikalisch, als auch bei Live-Auftritten entsprechend dargeboten. i Kaum eine andere Band ist in der Eleetro- oder Latex-Szene bisher so l erfolgreich gewesen. Alben wie "Confessions" oder Hits wie "Bite OfGod", "Slavesex" oder "Savage Logic" dürften Szenegängern wohl bekannt sein; und jeder der sich für elektronische Musik interessiert, kommt nicht daran vorbei, sich wenigstens einmal mit DIE FORM konfrontieren zu müssen.

Zuletzt überraschte uns das Duo aus Frankreich vor knapp einem Jahr mit dem Mini-Album "Rose Au Coeur Violet" und dem Fulltimealbum "Suspiria De Profundis" und nun steht die Veröffentlichung eines neuen Longplayers kurz bevor. Grund genug für mich, ein schriftliches Interview mit Mastermind Philippe Fichot zu führen und ihn zu DIE FORM, seinen Side-Projekten und anderen Dingen zu befragen. Das Ergebnis lag mir kurz vor Druckschluß vor und soll Euch nicht vorenthalten werden:

BLACK: Vielleicht gibst Du uns zunächst für alle Leser, die DIE FORM noch nicht kennen sollten, ein paar Informationen über Euch und Eure Arbeit? -END-

PHILIPPE: DIE FORM existiert seit 1977, zusammen mit dem Label BAIN TOTAL. Früher war DIE FORM mein Solo-Projekt - heute arbeite ich mit Elaine P. und einer dritten Person zusammen, die uns bei der Bühnen-Performance unterstützt. Wir haben mittlerweile etwa 25 Alben, plus vieler Tapes und mehr als 100 Beiträge zu Compilations auf der ganzen Welt beigesteuert! Unsere Live-Konzerte sind multimedia orientiert (Musik, Live-Gesang, Video und Filmprojektionen und Live-Actions/Performance). Wir lassen uns schon sehr lange durch Erotik, Verlangen und Träumen inspirieren; und unsere nächste Veröffentlichung wird das Album "L'ame Electrique" sein die zweite Auskopplung der "Triology Of Passions" nach "Suspiria De Profundis".

BLACK: Mit Eurem letzten Album "Suspiria De Profundis" seid Ihr zu den Wurzeln von DIE FORM zurückgekehrt - Du selbst hast dieses Album einmal als Euer bestes bezeichnet. Wie sieht Deine eigene Meinung zu diesem Album aus?

PHILIPPE: Das letzte Album ist für mich immer das beste! Ich bin stets bemüht, mehr Nähe in meiner Musik unterzubringen und die Ausdruckskraft, ultimative Schönheit und Poesie des Werkes zu perfektionieren.

BLACK: Wo siehst Du die Unterschiede zwischen älteren Releases und Eurem letzten Album?

PHILIPPE: Die neuen Sachen sind einfach intensiver, haben eine besser Konstruktion und bessere Konipositionen; aber immer noch mit der gleichen Motivation und Enthusiasmus wie am Anfang.

BLACK: Einige Eurer Stücke haben sehr seltsame Titel, wie beispielsweise "Chain Reaction". Vielleicht erläuterst Du uns kurz die Thematik; und wie entstehten überhaupt die einzelnen Stücke?

PHILIPPE: Meistens entsteht das Konzept für einen Song einfach durch ein Word oder eine Idee. Habe ich erst mal die umfassende Richtung gefunden, fügen sich alle anderen Elemente zu einer einheitlichen Konstruktion zusammen. Ich finde den passenden Titel und die Musik und Thematik scheint sich mir zu offenbaren. Wir sind Autodidakten und haben hart zu arbeiten, um vorwärts zu kommen. Jedes neue Album ist eine Herausforderung für uns, da wir immer neue Formen von Schönheit entdecken und nicht immer das Gleiche wiederholen wollen.

"Chain Reaction" ist eine Geschichte über den KUSS von Ketten auf nackter Haut und die Befreiung der Seele durch das Licht für die Ewigkeit. Wir mögen es Liebreiz mit Widerwärtigkeit zu verknüpfen und mit unklaren Begriffen zu spielen. "Suspiria De Profundis" war die Erforschung des Reichs der Gefühle aus den Tiefen der Sensation. die Schönheit der Obskurität zwischen Licht und Dunkelheit.

BLACK: Für wen ist diese Art von Musik bestimmt?

PHILIPPE: Für alle Leute, die sensibel genug sind, den richtigen Ausdruck zu verstehen. Wir wollen allerdings auf keinen Fall nur ein bestimmtes Publikum ansprechen. Wichtig ist, daß wir damit gehen Tabus und Intoleranz ankämpfen. Wir haben zwar keine bestimmten Messages zu bieten, doch einige Seiten unserer Arbeiten können durchaus zerlegt oder analysiert werden; aber wir wollen eigentlich, daß sich jeder Hörer seine eigene Interpretation davon bildet.

BLACK: Wie würdest Du den Musik-Stil von DIE FORM beschreiben?

PHILIPPE: Vor allem sehr intim und persönlich, da wir stets durch unsere eigene Motivation, Kuriosität und unser Verlangen beeinflußt werden. Ich komponiere die Musik während ich an anderen Dingen arbeite (Photos, Filme, Videos oder Performances) - Deshalb stellen einige Stücke die Abstraktion zur Realität dar, die stets auch unsere eigene Persönlichkeit repräsentiert.

BLACK: DIE FORM sind für ihre sehr pornographischen Live-Auftritte bekannt. Aber in den letzten Monaten habt Ihr euch "live" sehr soft präsentiert. Deshalb wurde ich in letzter Zeit auch oft gefragt, ob die Shows künftig wieder extremer ausfallen werden? Diese Frage möchte ich nun an Dich weitergeben.

PHILIPPE: Wir können unsere Arbeit nicht als pornographisch bezeichnen; Eros und Thanatos sind uns innerlich sehr nahe. Manchmal zeigen wir auf der Bühne mehr Gewalt oder Sex, aber stets mit einem Konzept und mit Motivation, und nicht nur, um das Publikum zu schocken. Wir präsentieren das Unterbewußte - dunkle Poesie der Erotik und Visionen. Sex kann nicht der Vorwand von Exhibitionismus sein, aber die wirkliche Reflektion unseres inneren Lebens. Wir wollen nun eine neue Show entwickeln und diese demnächst "live" bei Konzerten präsentieren.

BLACK; Es gibt neben DIE FORM noch eine Menge Side-Projekte von Dir. Wo liegen die Unterschiede zwischen diesen und DIE FORM und was darf man in nächster Zeit aus dieser Richtung erwarten?

PHILIPPE: Mit meinen Side-Projekten kann ich auf verschiedenen Gebieten und unterschiedlichen Konzepten arbeiten; und vor allem mit anderen Leuten wie beispielsweise mit A.Nakajima (Aube) und Mutsurni Oku auf der UKIYO-CD. DIE FORM ist dabei immer mein Hauptprojekt zusammen mit Elaine P. Doch mit UKIYO, ELEKTRODE oder anderen Projekten kann ich viel experimenteller arbeiten und andere Hörer erreichen. Ich muß immer an neuem Material arbeiten, werde sicher nie aufhören zu experimentieren und es sind schon einige neue Releases in Planung.

BLACK: Die Bookletts zu Euren CDs sind stets mit sehr schönen fetischistischen Fotos geschmückt. Machst Du diese selbst und wie realisierst Du die Ideen dazu?

PHILIPPE: Meine Bilder und Filme repräsentieren stets die gleichen Ausdrücke wie meine Musik, jedoch mit anderer Unterstützung. Ich verwirkliche alle meine Bilder selbst, arbeite zu Hause - genau wie bei der Musik. Die ideale Voraussetzung, um das Publikum in seinem Inneren zu berühren. Die Ideen entspringen dabei immer meinem degenerierten Verstand.

BLACK: Wie sieht die Zukunft von DIE FORM aus?

PHILIPPE: Wir werden unsere neue CD "L'ame Electrique" bei einigen Live-Konzerten zusammen mit einer neuen Show vorstellen. Wir haben eine Menge Zeit in die Kreation von neuen Fotos und Filmen investiert. Außerdem ist vor einigen Wochen mein erstes Buch "The Visionary Garden" bei ARTWARE EDITIONS erschienen.